Auslandspraktikum – ja, nein, vielleicht?

Der Gedanke ist verlockend: lernen unter Palmen, ein abendlicher Spaziergang entlang der chinesischen Mauer oder die Lichter der nie schlafenden Stadt auf dem Times Square beobachten? Das Beste daran: das Ganze dauert gar nicht mal so lange, daher sieht man Freunde, Partner und Familie ja relativ schnell wieder. Außerdem erwirbt man wichtige Soft Skills und andere berufliche Qualifikationen, die einem Tür und Tor zu zahlreichen Jobs öffnen können, erlebt eine aufregende Zeit in einer fremden Kultur und hat die einmalige Chance, Land und Leute über einen längeren Zeitraum hinweg kennen zu lernen- also alles super! Doch das Traumbild Auslandspraktikum hat auch seine Schattenseiten. Dies sollte man bei der Planung eines solchen Unterfangens unbedingt bedenken, denn sonst kann der so spannende und bereichernde Auslandsaufenthalt schnell zur Zerreißprobe werden. Sowohl schwerwiegende, organisatorische und emotionale Probleme können mit einem längeren Auslandsaufenthalt verbunden sein.

Die Nachteile – diese Schattenseiten solltest du im Blick haben

Wer im Inland ein Praktikum machen möchte, der sucht nach einem passenden Betrieb, bewirbt sich und ist, mit etwas Glück, im nächsten Moment als Praktikant in seinem Wunschberuf beschäftigt. Wer ein Praktikum im Ausland machen will, der muss natürlich mit einem weitaus höheren, organisatorischen Aufwand rechnen, denn man muss mit Sack und Pack teilweise mehrere tausend Kilometer umziehen, denn die Praktika dauern schließlich auch seine Zeit. Angefangen bei circa drei Monaten kann sich die Zeitspanne durchaus auf ein ganzes Jahr oder noch mehr beziehen. Dementsprechend muss man auch in dem anderen Land eine Unterkunft finden und auch die Wege ermitteln, auf welchen ein solcher Umzug zu realisieren ist. Bei der Frage, wo man dann in dieser Zeit überhaupt wohnen soll, eröffnet sich auch schon das nächste Problem: Wie wird ein Auslandspraktikum überhaupt finanziert? Hier gibt es glücklicherweise unterschiedliche Optionen, über die ihr euch vorab informieren solltet. Zunächst einmal besteht die Möglichkeit, Auslands-BAföG zu beantragen. Hier müssen unterschiedliche Voraussetzungen, von deiner Seite aus, gegeben sein. Zunächst einmal muss das Praktikum eine Dauer von mindestens 12 Wochen haben und zusätzlich ein notwendiges Element eurer Ausbildung sein. Die Hochschule, an welcher ihr immatrikuliert seid, muss außerdem anerkennen, dass ein Auslandspraktikum mit der Prüfungsordnung, nach der ihr studiert, übereinstimmt. Des Weiteren muss ein Nachweis erbracht werden, dass ihr die Sprache, die in eurem Zielland gesprochen wird, beherrscht. Der Antrag ist außerdem früh genug bei dem zuständigen Amt zu stellen. Ebenso habt ihr vielleicht die Chance, ein Stipendium zu ergattern, welches euch dann bei eurem Praktikum finanziell unter die Arme greift. Zuletzt gäbe es noch das ERASMUS-Programm, welches ein spezielles Förderprogramm der europäischen Union ist und euch bei der Realisierung von Auslandspraktika im europäischen Ausland behilflich ist. Euer zuständiger Berater an den Hochschulen kann euch zu all diesen finanziellen Unterstützungsoptionen umfassendes Informationsmaterial an die Hand geben, aber es wird bereits deutlich, was für ein enormer Aufwand hinter einem solchen Auslandspraktikum steckt. Zusätzlich muss man abklären, ob man notwendige Impfungen nachholen muss, ein Visum oder eine andere Aufenthaltsgenehmigung benötigt, ob man eine Krankenversicherung in dem jeweiligen Land benötigt und andere Rahmenbedingungen, wie zum Beispiel, ob man für das Praktikum an einer Hochschule eingeschrieben sein muss und Ähnliches.

Wenn man alle Widrigkeiten im Rahmen der Planung und Umsetzung erfolgreich überstanden hat und im Wunschland eingetroffen ist, eröffnen sich natürlich weitere Stolpersteine. Beispielsweise sollte man sich vorab gut mit der im Land vorherrschenden Kultur, Religion und Lebensführung der Einheimischen auseinander setzen. Wer sich hier nicht gut auskennt, kann seinem neuen Chef schnell mal auf die Füße treten, was peinliche Situationen bewirken kann. Auch können mangelnde Sprachkenntnisse eine große Gefahr sein, da es durch Kommunikationsprobleme zu Missverständnissen und vielleicht sogar Anfeindungen führen kann. Solide Sprachkenntnisse, Anpassungsvermögen und Flexibilität sind die ideale Basis für einen angenehmen Start ins Auslandspraktikum. Das Sprichwort „Andere Länder, andere Sitten“ wird hier zur Grundsatzprüfung – aber dabei bleibt es nicht, denn es gilt auch „Andere Länder, andere Praktika“. Es ist immer denkbar, dass deine persönlichen Vorstellungen von deinem zukünftigen Praktikumsalltag nicht mit denen des Betriebs harmonieren oder im Allgemeinen mit den Arbeitsweisen, die in dem jeweiligen Land herrschen. Hier hilft nur Kommunikation – meist lassen sich solche Differenzen lösen oder auch im Vorfeld abklären, damit man nicht ins kalte Wasser geworfen wird.

Zusätzlich sollte man sich darauf einstellen, dass ein langes Auslandspraktikum auch eine emotionale Herausforderung ist. Dieses Problem hat man im ersten Moment vielleicht gar nicht auf dem Schirm, aber gerade dann, wenn man ein extrem weit entferntes Land zu seinem Ziel gemacht hat und auch die Praktikumsdauer einen langen Zeitraum umfasst, wird es schwierig, die Liebsten während dieser Zeit zu Gesicht bekommen. Je nachdem, in welchem Land man sich aufhält, hat man aber die Möglichkeit, umfassende Kommunikationswege zu nutzen: so kann man beispielsweise abends skypen, telefonieren oder sich über Mails austauschen. Wie die Auslandstarife für mobiles Internet aussehen, muss man natürlich ebenfalls vorher mit seinem Mobilfunkanbieter besprechen.

Zusammenfassend erwartet jene, die ein Auslandspraktikum planen, ein enormer Aufwand, um dieses entsprechend zu realisieren. Neben finanziellen und logistischen Aspekten kommen auch emotionale und kulturelle Schwierigkeiten hinzu. Aber man muss ebenso die Vorteile vor Augen haben und die sind, gerade für die Karriere, aber auch für die Entwicklung und Verfeinerung persönlicher Schlüsselkompetenzen, enorm.

Die Vorteile – ein Platz an der beruflichen Sonne

In unserer heutigen, schnelllebigen Wissensgesellschaft, die in vielen Bereichen einen übersättigten Arbeitsmarkt und erschwerte berufliche Chancen mit sich bringt, ist es wichtig, sich durch besondere Qualifikationen und Schlüsselkompetenzen von den Mitbewerbern abzuheben. Freilich muss es sich dabei nicht zwangsläufig um ein Auslandspraktikum handeln, was in vielen Studiengängen schlichtweg nicht realisierbar oder vielleicht auch nicht unbedingt notwendig ist, aber eine solche einschlägige und extreme Erfahrung kann dem Bewerber in der erbitterten Schlacht um einen Job auch entscheidende Vorteile einräumen – gerade dadurch, dass sich diesen Schritt viele nicht trauen. Es verschafft dir zunächst einmal relevante Einblicke in deinen zukünftigen Job, dies aber nicht in hiesigen Kreisen, sondern auf einer multikulturell ausgerichteten Basis. Gerade in international orientierten Firmen, die mit ausländischen Kunden kooperieren, sind Auslandspraktika teilweise nicht mehr wegzudenken. Man lernt Arbeitsweisen anderer Länder kennen und hat die Chance, den Job aus einer anderen Perspektive zu erkunden. Dies verdeutlicht, dass du in der Lage bist, im wahrsten Sinne des Wortes „über den Tellerrand“ zu blicken. Wie bei jedem Praktikum findet man natürlich grundlegenden Einblick in das Arbeitsleben. Spannend ist beim Arbeiten im Ausland auch das Kennenlernen einer anderen Kultur, anderer Menschen und Orte. Dies bereichert die Persönlichkeit natürlich enorm und steht als Beweis für seine multikulturelle Orientierung – dies ist, in einer globalisierten und immer weiter vernetzen Welt, eine nicht zu unterschätzende Eigenschaft. Ebenso zeigt man dem zukünftigen Arbeitgeber seine Flexibilität und unterstreicht, dass man dazu in der Lage ist, sich in einem völlig fremden Raum zurechtzufinden. Dies sind sogenannte Soft skills, die in der heutigen Zeit sehr gerne vom Unternehmen gesehen werden. Außerdem bringt das Praktikum einen ganz eindeutigen Vorteil: die Sprachkenntnisse werden weitergehend verfestigt. Dies ist gerade bei Firmen von Vorteil, die mit Kunden aus dem Land kommunizieren müssen – hier wird internationale Kompetenz zum Kernfaktor.

Gerade in der Hotellerie oder Gastronomie sind internationale Qualifikationen besonders wichtig, denn wer hier beispielsweise in größeren Hotelketten arbeitet, der hat auch häufig das Vergnügen auf ausländische Gäste zu treffen oder sogar die Chance, einen Job in einem anderen Land zu ergattern. Wer in diesem Bereich bereits Erfahrung sammeln konnte, der hat es natürlich einfacher, sich an diese neue Situation zu gewöhnen und auch alles in diese Richtung zu planen. Durch ein Auslandspraktikum wächst außerdem dein Selbstbewusstsein, zumindest in vielen Fällen, da man dadurch merkt, zu welchen Leistungen man selbst befähigt ist und was wirklich in einem steckt. Dies motiviert, baut auf und spornt an.

Wer also keine Angst vor Herausforderungen hat und seine beruflichen Chancen erhöhen möchte, für den kommt ein Auslandspraktikum durchaus in Frage. Hierbei gilt: eine gute Vorbereitung ist alles. Man sollte früh genug damit anfangen, sich ein Land und einen Praktikumsplatz auszusuchen. Außerdem sind die Sprachkenntnisse enorm wichtig – diese sollten nicht nur rudimentär vorhanden sein, sondern bereits in einem soliden, kommunikationsfähigen Stadium. Fragen zu den Bedingungen des Praktikums sollte man vorher abklären und schauen, ob man sich unter den gegebenen Prämissen im Betrieb wohlfühlen kann. Ebenso ist abzuwägen, inwieweit man mit der Andersartigkeit des Landes zurechtkommt und ob man sich wirklich vorstellen kann, dort eine längere Zeit zu verbringen. Alles in allem ist ein Auslandspraktikum eine lohnende Erfahrung, die den Lebenslauf entscheidend aufpoliert und die Karrierechancen verbessert.

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Gastbeitrag von: Sarah Amadio

Sarah Amadio ist Studentin der Germanistik und Philosophie an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Seit April 2013 unterstützt sie unser Team tatkräftig im Bereich Online-Marketing.

 

 


Beitrag von Lisa N.

Lisa N.
Nach einem Masterstudium an der Universität Hamburg, habe ich erfolgreich ein Volontariat in einer PR-Agentur absolviert. Bei der YOURCAREERGROUP bin ich seit November 2014 für das B2C Marketing und den Pressebereich zuständig. Weitere Informationen zu mir gibt es auf XING.