Die Kunst des Small Talks

Manche können es besser, manche nicht: Small Talk halten. Mit oft fremden Leuten spontan über irgendwas quatschen. „Wozu?“, fragen sich die einen. Muss ich das wirklich können, um im Job und im privaten Umfeld zurecht zu kommen? „Muss“ man nicht – es erleichtert das Leben aber enorm. Aber was mache ich denn, wenn ich zufälligerweise zu den Leuten gehöre, denen das einfach nicht so liegt? Habe ich dann schon verloren?

Nein, hast du nicht. Denn Small Talk lässt sich bis zu einem gewissen Punkt auch lernen. Unzählige Kommunikations-Coaches geben regelmäßig Seminare und veröffentlichen Ratgeber, mit deren Hilfe genau das erlernt werden soll. Vor allem für die berufliche Karriere kann es nie schaden, wenn man kontaktfreudig ist und schnell mit anderen Leuten ins Gespräch kommt. Laut einer IBM-Studie entscheidet über den Karriereerfolg zu 60 Prozent die Bekanntheit, zu 30 Prozent das Image und nur zu 10 Prozent die Qualifikation. Wer also mit niemandem spricht und eher ein Einzelkämpfer ist, hat es deutlich schwerer, egal, wie gut er oder sie zum Beispiel in seinem Job ist.

Wenn du dich auch eher zu letzterer Kategorie zählst, musst du trotzdem nicht sofort „in den Sack hauen“. Aber was soll man denn sagen? Klassisch über das Wetter zu reden, ist definitiv nicht immer das dankbarste Thema, denn es ist schnell erschöpft – denken die meisten. Denn dann kann es schnell zu dem  unangenehmen Teil kommen, den alle fürchten: Das peinliche Schweigen. Tatsächlich geht es beim Small Talk aber um etwas ganz anderes: Darum, Gemeinsamkeiten zu finden und damit eine positive Stimmung und schließlich Sympathie zu erzeugen. Wie tickt mein Gegenüber? Bereits aus dem ersten Eindruck kann man viel darüber ableiten, ob man beispielsweise gut zusammenarbeiten kann. Einfach, weil wir persönlich werden, sobald wir den Mund aufmachen. Da ist es egal, ob die nächsten Tage Schnee fallen soll, oder ob einfach mal wieder die Heizung im Büro ausgefallen ist.

Wichtig ist also als erster Schritt das Thema, über das du redest. Das Wetter ist da schon eine ganz gute Idee, weil jeder dazu etwas sagen kann. Wichtig ist, dass du nicht sofort ein komplexes Thema wählst, das gerne für Meinungsverschiedenheiten sorgt, wie beispielsweise Politik oder Religion. Du möchtest das Eis brechen und deinen Gesprächspartner nicht in eine blöde Situation bringen.

Dann folgt der schwierigere Teil: Sei du selbst. Vielleicht denkst du dir jetzt, das sagt sich immer so einfach, tatsächlich ist es aber wirklich so einfach. Ganz am Anfang sind nämlich nahezu alle Menschen erst mal neutral. Warum auch nicht, sie kennen dich ja gar nicht. Das wollen sie ja jetzt ändern, deswegen hast du eine ziemlich gute Chance, sie von Anfang an für dich zu gewinnen. Du kannst also ruhig offenen Blickkontakt suchen und die Hand deines Gegenübers schütteln.

Wenn du das nicht von Natur aus gerne machst, solltest du es einfach immer wieder üben. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen, nimm‘ dir also die Zeit, die du brauchst. Das kannst du zum Beispiel in Rollenspielen mit Freunden oder Bekannten machen oder bei einem Seminar. Denn eins solltest du dir stets vor Augen halten: Die meisten Menschen freuen sich, wenn du auf sie zugehst und sie ansprichst, sie trauen sich vielleicht nur einfach aus denselben Gründen nicht wie du.

Wichtig ist in dem Zusammenhang auch die Gesprächslänge. Niemand erwartet von dir, dass du eine umfassende Selbstpräsentation machst oder einen Vortrag hälst, deswegen eignen sich Situationen mit „natürlichem Ende“ oftmals besonders gut, vor allem, wenn du dich noch ein bisschen unwohl fühlst. Zum Beispiel auf dem Mitarbeiterparkplatz steht von Anfang an fest: Irgendwann steigst du in dein Auto ein und kannst das Gespräch mit gutem Grund beenden, ohne, dass es beim Gegenüber komisch ankommt.

Die Situation. Die Situation, in der du dich für Small talk entscheidest, sollte auch kein reiner Zufall sein. Natürlich ist es vollkommen okay, jeden in jeder Situation einfach anzusprechen, wenn du ein Bedürfnis danach hast, aber eben nicht, wenn deine Kollegin zum Beispiel gerade in ein Gespräch vertieft ist und etwas abgehetzt wirkt. Du willst sie ja nicht nerven, sondern sie kennenlernen. Auch hier zahlt sich die Übung aus: Je häufiger man solche Situationen sucht, desto eher bekommst du ein Gespür dafür, ob der Moment gerade günstig ist oder nicht. Natürlich kommt es auch darauf an, wo und in welchem Zusammenhang man sich kennenlernt. Auf einer Party bei einem gemeinsamen Freund fühlt man sich natürlich auf Anhieb wohler als zum Beispiel auf einem Kongress. Dies ändert aber nichts am eigentlichen Vorhaben.

Wenn du dir diese Punkte alle einmal durch den Kopf gehen lässt und an eine Person denkst, die in deinen Augen sehr gut Small Talk halten kann, wird dir schnell auffallen: Er oder sie macht es genau so – nur vielleicht unterbewusster, weil es ihm oder ihr vielleicht von Natur aus leichter fällt. Jedenfalls ist es kein geheimes Hexenwerk. Also bleib‘ dran!


Beitrag von Barbara

Barbara
Barbara Solle studiert Anglistik und Politikwissenschaft an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Seit Oktober 2014 arbeitet sie bei der YOURCAREERGROUP und unterstützt unser Team im Bereich Online Marketing. Weitere Informationen zu ihr gibt es auf Xing und LinkedIn. XING.