Food Stylist: Das Auge isst mit

Das Steak glänzt appetitlich, Obst und Gemüse sind makellos. Food Stylisten helfen mit Tricks nach, damit Lebensmittel in Hochglanzprospekten, oder auf Produktverpackungen ansprechend aussehen. Wie jeder weiß, kann es manchmal einige Zeit in Anspruch nehmen, bis DAS perfekte Foto im Kasten ist. Das ist nicht nur so, wenn wir versuchen ein schönes Selfie zu schießen, sondern eben auch, wenn Fotos für Kochbücher gemacht werden. Daher kommen hier Food Stylisten zum Einsatz: Für den Verzehr zubereitete Speisen sehen oft bereits nach kurzer Zeit nicht mehr ansehnlich aus. Food Stylisten bereiten die Lebensmittel so zu, dass sie vor der Kamera auch mal eine halbe Stunde oder länger gut aussehen. Das Auge isst schließlich mit.

Food Stylisten präparieren Lebensmittel – manchmal mit außergewöhnlichen Methoden

Jeder Food Stylist hat sein ganz eigenes Geheimrezept entwickelt, damit Lebensmittel prall, saftig und appetitanregend aussehen. Einige arbeiten mit Lack, Haarspray oder sonstigen ungewöhnlichen Mitteln, um die Lebensmittel vor der Kamera möglichst lange ins rechte Licht zu rücken. Andere vertrauen auf Pinzetten, den Föhn oder den Kugelausstecher. Schließlich sind die Löcher im Käse selten da, wo sie sein sollten. Wie viel getrickst wird, lässt sich oftmals nur erahnen. Eine gute Täuschung will gelernt sein. Dazu wird gelegentlich auch mal der Rasierschaum für eine hübsche Bierkrone zweckentfremdet oder Jod auf den drapierte Hähnchenschenkel gestreut. Ein kleiner Pinsel und ein bisschen Olivenöl sorgen für den richtigen Glanz, kleine Wasser Tröpfchen aus der Sprühpistole gepaart mit Glyzerine lassen das Produkt extra frisch aussehen und damit etwa eine Tomatensuppe keine Haut bekommt, richtet man sie einfach kalt an.

Auch wenn mittlerweile immer mehr Hersteller von Lebensmitteln vermehrt Wert darauf legen, dass bei der Produktpräsentation nicht zu sehr manipuliert wird, bleiben kleine Schummeleien weiterhin gang und gäbe. Der Verbraucher bekommt von alledem selbstverständlich nichts mit und wird kurzerhand ein wenig hinters Licht geführt. Aber seien wir mal ehrlich: Wenn reizt ein knackig aussehender, glänzend roter Apfel nicht mehr, als ein Apfel aus der Kategorie Fallobst. Problematisch wird es erst dann, wenn das abgelichtete Bild absolut nichts mehr mit der Realität gemeinsam hat. Dann steigen Verbraucherschützer gerne mal auf die Barrikaden. Eigens hierfür hat die Verbraucherzentrale eine Homepage erstellt, die Kunden aufklären soll. Mehr dazu erfahrt ihr unter: http://www.lebensmittelklarheit.de/

Doch wie wird man Food Stylist?

Meist lernen sie ihr Handwerk in der Gastronomie. Gelernten Köchen kommt die Ausbildung zugute, zumal sie kochen können und sie über ein geschultes Auge beim Anrichten von Speisen verfügen. Gute und qualitativ hochwertige Ware zu haben, ist natürlich enorm hilfreich. Je besser die Ware, desto leichter die Arbeit Food Stylist. Eine Ausbildung zum Food Stylisten gibt es nicht, ebenso wenig ein einheitliches Berufsbild.  Letztlich ist es so, dass jeder Food Stylist sich das nötige Know-how selbst durch Ausprobieren aneignet.

Zusätzliches Hintergrundwissen über das Handwerk des Fotografen könne für die Arbeit als Food Stylist nicht schaden. Der Dialog mit dem Fotografen erleichtere die Arbeit meist. Wie stellt sich der Kunde das Produkt vor? Welche Farben und welches Licht wünscht er? Was soll das Bild letztlich ausdrücken? Es ist hilfreich, wenn man ungefähr weiß, wie das Licht gesetzt werden muss und welche Verschlusszeit bei den vorhandenen Lichtverhältnissen sinnvoll ist.

Welche Voraussetzungen solltest du erfüllen?

Geduld, Präzision, Disziplin, Verschwiegenheit und Seriosität sowie gute Menschenkenntnisse sind für die Arbeit unabdingbar. Auch Improvisationstalent sollten Food Stylisten mitbringen, denn oft werden Pläne während des Shootings oder des Drehs umgeworfen. Darauf muss der Food Stylist flexibel reagieren und lösungsorientiert handeln können. Mitunter ist die Arbeit deshalb nicht einfach. Es kann vorkommen, dass man ein Gericht drei, vier oder sogar fünf Mal neu zubereiten und anrichten muss, bis dem Kunden das Endergebnis 100 prozentig gefällt. Lange Arbeitstage mit zwölf oder mehr Stunden sind daher keine Seltenheit.

Stellen als Angestellte sind in der Branche rar. Nur wenige Food Stylisten gehen dem Beruf im Angestelltenverhältnis nach, die überwiegende Mehrheit arbeitet freiberuflich. Die Arbeit ist außerordentlich kreativ und abwechslungsreich. Von Getränken und Backwerk über Käse bis hin zu vegetarischen, Fleisch- oder Fischgerichten – ist alles dabei. So gleicht kein Auftrag dem anderen. Was jedoch beachtet werden sollte, ist, dass Food Stylisten stark von ihrer Auftragslage abhängig sind. Herrscht ein Monat mal gähnende Flaute, kommt automatisch kein Geld rein. Wichtig ist daher, dass man die richtigen Kontakte knüpft, um in der Branche bekannt zu sein. Wer jetzt glaubt, dass digitale Bildbearbeitungsprogramme diesem Beruf über kurz oder lang das Handwerk legen, der irrt sich. Schließlich bedarf es immer noch einer Person, die die Gerichte kochen kann.

 

 

 

 


Beitrag von Lisa N.

Lisa N.
Nach einem Masterstudium an der Universität Hamburg, habe ich erfolgreich ein Volontariat in einer PR-Agentur absolviert. Bei der YOURCAREERGROUP bin ich seit November 2014 für das B2C Marketing und den Pressebereich zuständig. Weitere Informationen zu mir gibt es auf XING.