Interview mit Jürgen W. Gangl, General Manager des Park Inn by Radisson Berlin Alexanderplatz und Vorsitzender der Hoteldirektorenvereinigung Deutschland e.V.

In unserem aktuellen Interview hat uns Jürgen W. Gangl verraten, wie sein bisheriger Werdegang aussah, welche Aufgabenbereiche er in seiner Position als General Manager des Park Inn by Radisson am Alexanderplatz in Berlin, sowie als Vorsitzender der Hoteldirektorenvereinigung Deutschland e.V. (HDV) übernimmt und welche Ratschläge er jungen talentierten Nachwuchskräften gibt, die selbst in der Hotellerie Fuß fassen möchten.

Heraus gekommen ist ein sehr interessantes Interview mit einer charismatischen Branchen-Persönlichkeit.

Wir wünschen Euch viel Spaß beim Lesen!

YOURCAREERGROUP (YCG):  Sehr geehrter Herr Gangl, darf ich fragen wie alt Sie sind?
Herr Gangl: Dürfen Sie. Ich bin 51 Jahre alt, aber schreiben Sie 49. (Er lacht)

YCG: Können Sie uns Ihren beruflichen Werdegang in einigen Worten schildern? Wie sind Sie zur Hotellerie gekommen? War dies schon immer Ihr Traumberuf, in dem Sie nun tätig sind?
Herr Gangl: Als Sohn eines Österreichers und einer Mutter aus Trier, wuchs ich im Südschwarzwald auf und ging dort zur Schule. Durch einen Mitschüler, dessen Eltern ein Hotel geleitet haben, bin ich früh mit der Hotellerie in Berührung gekommen. Hier habe ich erste Praktika und Ferienjobs absolviert und schnell meine Leidenschaft für die Hotellerie entdeckt. Man könnte sagen, dass ich seitdem eng mit der Hotellerie verwurzelt bin. In einem Ferienhotel in der Nähe des Feldbergs habe ich schließlich meine Ausbildung zum Hotelkaufmann begonnen. Anschließend folgten verschiedene Stationen im In- und Ausland. Mit 28 Jahren wechselte ich dann zum Schlosshotel Bühlerhöhe. Unter anderem war ich im Holiday Inn in Baden-Baden, im Arabella München,  im Hotel Kempinski „Vier Jahreszeiten“ in München, als Regionaldirektor und Hotelmanager bei den Astron Hotels & Resorts und als Director of Operation South Germany bei den NH Hotels tätig. Seit 2000 bin ich nun in Berlin sesshaft.  Im Jahre 2005 kam ich zum Park Inn by Radisson am Alexanderplatz in Berlin, wo ich seit 2005-mal als General Manager oder als Regionaldirektor tätig gewesen bin.

YCG: Würden Sie Ihren Karriereweg noch einmal so gehen? Oder würden Sie etwas ändern?
Herr Gangl: Ich hatte das Glück, im richtigen Moment die richtigen Leute kennenzulernen. Das Einzige, was ich rückblickend hätte ändern wollen ist, dass ich in jungen Jahren gerne eher und länger ins Ausland gegangen wäre.

YCG: Gab es Momente in Ihrer Karriere, die weniger schön waren? Was haben Sie daraus für sich mitgenommen?
Herr Gangl: Ich hatte damit umzugehen, dass viele Menschen, die mir wichtig waren, früh gestorben sind. Wichtig ist, dass man sich stets bemüht, über den Tellerrand hinauszuschauen. Oft steckt man selbst so tief im Wirrwarr der Hotellerie fest, dass man dies vergisst. Außerdem ist es ist wichtig, dass man akzeptiert, dass man loslassen muss, um sich zu verändern. Die Zeit so zu genießen, wie sie war und gleichzeitig stets offen für neue Dinge zu sein, ist eine Kunst.

YCG: Wofür mussten Sie in Ihrer Karriere am meisten kämpfen?
Herr Gangl: Ich kam aus der Praxis und habe stets überall Leistung mit Leidenschaft erbracht. In der Hotellerie erarbeitet man sich seinen Erfolg. Es gilt: Fleiß zahlt sich aus, auch wenn menschliche Beziehungen natürlich ein nicht zu unterschätzender Faktor sind.

YCG: Was motiviert Sie? Was lieben Sie besonders an Ihrer Arbeit? Warum haben Sie sich für das Park Inn Berlin-Alexanderplatz entschieden?
Herr Gangl: Die Hotellerie ist für mich gleichzusetzen mit dem Begriff „Hospitality“. Wir sind das Team der Gastlichkeit. Mein Anliegen ist daher: Dem Gast als Hotel ein kurzzeitiges Zuhause zu bieten. Zudem ist es wichtig, dass wir unsere „heiße Ware“, das Zimmer heute,  gut verkaufen. Warum ich mich für das Park Inn entschieden habe? Damals war die Größe für mich entscheidend. Ich habe die Konzern-Hotellerie durch meine verschiedenen Stationen kennen gelernt. Später hat mich dann die Hotellerie mit 1.000 Zimmern, wie beim Park Inn by Radisson am Alexanderplatz in Berlin, gelockt. Mein stetiges Ziel ist: Aus der Maschine Hotellerie etwas Menschliches zu machen. Ich genieße die Arbeit mit meinem Team und die Möglichkeit, Dinge zu verwirklichen.. Beispiel: Im Spagos haben wir einen Tresen  der sich im Handumdrehen abends zu einem Bartresen und morgens zu einem Frühstücksbuffet umbauen lässt.

YCG: Wie würden Sie Ihre Tätigkeit, der Sie in diesen beiden Positionen nachgehen, in drei Stichwörtern beschreiben?
Herr Gangl: Menschenführung, Menschenführung, Menschenführung. Das Wichtigste ist, Menschen zu begeistern und ein Team bestmöglich zu führen.

YCG: Neben Ihrer Tätigkeit als General Manager sind Sie zusätzlich Vorsitzender der Hoteldirektorenvereinigung Deutschland e.V. (HDV). Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus? Was sind Ihre täglichen Aufgabenbereiche?
Herr Gangl: Meine tägliche Arbeit wird dominiert von Terminen mit den verschiedensten Leuten und Interviews wie diesem. Aber natürlich kümmere ich mich auch darum, meine Mitarbeiter zu motivieren, Präsenz zu zeigen und gute Laune vorzuleben. Wir haben in diesem Hotel (Anm. d. Red. gemeint ist das Park Inn am Alexanderplatz) keine“ low season“. Das bedeutet, dass jeden Tag der Betrieb auf Hochtouren läuft  und ich alle Mitarbeiter bei der Stange halten muss. Schließlich ist jeder Einzelne wichtig.

YCG: Was macht Ihnen an Ihrer täglichen Arbeit die größte Freude?
Herr Gangl: Am meisten Spaß, das ist schwierig zu beantworten. Es ist vielmehr die gesamte Hotellerie, mit ihren Gästen, den Mitarbeitern und dem Erfolg am Ergebnis, die mir Freude bereiten. Spaß habe ich außerdem daran, Mitarbeitern zu helfen oder aber etwas Neues zu kreieren.  Entscheidend ist zudem die Möglichkeit, selbstständig arbeiten zu können.

YCG:  An welches Erlebnis werden Sie sich noch lange Zeit erinnern?
Herr Gangl: In der Hotellerie begegnet man vielen interessanten Menschen, die man nie vergisst.  Ein Highlight war sicherlich die Eröffnung der „Spagos“ Bar am 01. Juli 2006, die zeitgleich zur Fußball Weltmeisterschaft im eigenen Land erfolgte.

YCG: Gibt es Herausforderungen, denen Sie sich jeden Tag aufs Neue stellen müssen?
Herr Gangl: Wichtig ist ein Gespür für Menschen zu entwickeln. Man muss außerdem lernen, die eigenen Leistungen nicht zu überschätzen. Viele versuchen zu früh, in die Führungspositionen zu gehen, überschätzen sich jedoch dabei. Manchmal liegt die Kraft in der Ruhe.

YCG: Was würden Sie talentierten Nachwuchskräften raten, die einmal  in derselben Position wie Sie arbeiten möchten?
Herr Gangl: Sie sollten lernen, über den Tellerrand hinaus zu schauen. Die Generation der Auszubildenden hat sich verändert. Die jetzige Generation hat mehr Rückgrat. Gleich geblieben ist, dass auch die heutigen Auszubildenden einen Mentor brauchen.  Die Generation von heute hat ein großes Know-how, ist gut ausgebildet und sie weiß, was sie will. Häufigere Wechsel, wie es früher oft üblich war, sind bei den jungen Leuten nicht mehr gefragt.

YCG:  Welche Eigenschaften sind Ihrer Meinung nach unabdingbar, um in der Hotellerie erfolgreich Fuß zu fassen?
Herr Gangl: Das Wichtigste ist, dass die Generation das, was sie tut, mit Herzblut macht.

YCG:  Aktuell erobert die Generation Y (diejenigen, die zwischen 1980 und 1998 geboren wurden) die Arbeitswelt. Typisch für diese Generation ist, dass sie gut ausgebildet und technikaffin ist. Hinzu kommt, dass die Generation Y (vom engl. „Why?“) vieles hinterfragt.  Wie sehen Sie die heutige Generation?
Herr Gangl: Beide Generationen, sowohl die älteren Babyboomer als auch die Generation Y haben ihre Daseinsberechtigung. Die Generation Y beschreibt eine Generation, der Erfolg und Anerkennung wichtig ist, aber nicht um jeden Preis. Sie sind nicht mehr so mobil – man könnte sagen, ihr soziales Anliegen ist der Mikrokosmos. Aufgrund von sozialen Netzwerken verschmilzt für sie die Welt immer mehr zu einer Gemeinschaft, mit der sie schnell in Kontakt treten können. So werden die Familie und Freunde immer wichtiger und das weite Ausland ist nicht mehr so reizvoll. Heute möchte keiner mehr ins Ausland. Ich erlebe immer wieder topp ausgebildete und qualifizierte junge Leute, die eine Tätigkeit in der Bundesrepublik Deutschland der Chance, im Ausland arbeiten zu können, vorziehen.

YCG: Wo sehen Sie als Vorsitzender des HDV die Herausforderungen für die Hotellerie der Zukunft?
Herr Gangl: Es ist wichtig, zu erkennen, dass die eigenen Mitarbeiter ein hohes Wertgut sind.  Aspekte wie Wertschätzung, eine gute Bezahlung und Förderung sind immens wichtig. In der heutigen Zeit muss die Hotellerie Anreize schaffen, um die Mitarbeiter auch langfristig für diese Branche zu begeistern, ein Schwerpunkt liegt da ganz eindeutig in der Nachwuchsförderung. Wir im Park Inn motivieren unsere Auszubildenden beispielsweise, indem wir ihnen kostenfreie Mitgliedschaften im Fitnessstudio anbieten. Wichtig ist, dass die eigenen Mitarbeiter Spaß an dem haben, was sie tun. Nur so kann man eine hohe Fluktuation im Unternehmen verhindern.

YCG: Welche Schwerpunkt-Themen liegen Ihnen als Vorsitzender der HDV besonders am Herzen?
Herr Gangl: Ich sage meinen Mitarbeitern immer, dass sie gerne drei Stunden früher nach Hause  gehen können, wenn sie der Meinung sind, dass ihr Laden läuft. Natürlich müssen drei Faktoren stimmen:  Das Team muss laufen, die monetären Ergebnisse müssen stimmen und die Gästezufriedenheit muss gewährleistet sein. Ist dies der Fall, so bin ich der Meinung, dass Präsenz nicht unbedingt gefragt ist. Gerade in der heutigen Zeit, wo das Thema „work-life-balance“ so häufig diskutiert wird, sollte man dies in Erwägung ziehen.

Durch dieses Angebot der flexiblen Arbeitszeiten schafft man es, dass die eigenen Leute bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und selbstständig Entscheidungen zu treffen. Außerdem komme ich wieder zurück auf den bereits genannten Aspekt, „das Menschliche in die Maschine Hotellerie zu bringen“. Man muss in der heutigen Zeit offen bleiben und den einzelnen Mitarbeiter so belassen wie er ist. Themen wie Tattoos und Piercings sollten daher auch kein Kündigungsgrund mehr sein, sondern vielmehr als zeitgemäß betrachtet werden. Selbstverständlich jedoch nur so lange, wie sie vom Gast nicht als störend empfunden werden. Ich sage immer gerne, dass wir beim Park Inn die Hotellerie von heute leben und die Themen von morgen erkennen.

YCG:  Welche Ziele streben Sie als nächstes an? Beziehungsweise wo sehen Sie sich in zehn Jahren?
Herr Gangl:  Gesund bleiben, Freude haben  und mit dem Park Inn erfolgreich sein. In Berlin gilt der Spruch. „Wer Berlin überlebt, überlebt die Welt“ (er lacht). (Anm. d. Red. das Park Inn by Radisson am Alexanderplatz in Berlin ist nach dem Estrel Berlin – Hotel & Congress & Messe Center das zweitgrößte Hotel der Nation.)
Eine Frage mit der ich mich zurzeit sehr stak auseinandersetze, ist darüber hinaus: Wie bindet man die Familie, Partner in die Arbeit mit ein? Gerade angesichts der Arbeitszeiten in der Hotellerie wird eine hohe Integration der Familie immer wichtiger.

YCG:  Herr Gangl, womit kann man Ihnen immer eine Freude bereiten?
Herr Gangl:  Wenn man gerne wieder kommt, dann ist das die Größte berufliche Freude.  Auf privater Ebene verrate ich Ihnen nicht, was es ist.“ (Er lacht).

Wir danken Herrn Gangl für dieses aufschlussreiche Interview und wünschen ihm für seinen weiteren beruflichen Werdegang alles erdenklich Gute!

Aktuell hat das Park Inn by Radisson am Alexanderplatz in Berlin folgende Stellen zu vergeben!

 


Beitrag von Lisa N.

Lisa N.
Nach einem Masterstudium an der Universität Hamburg, habe ich erfolgreich ein Volontariat in einer PR-Agentur absolviert. Bei der YOURCAREERGROUP bin ich seit November 2014 für das B2C Marketing und den Pressebereich zuständig. Weitere Informationen zu mir gibt es auf XING.