Mobbing – Mehr als nur ein Joke auf eigene Kosten

Wo viele unterschiedliche Menschen aufeinander treffen, kann nicht immer Friede-Freude-Eierkuchen herrschen. Und genau das passiert heutzutage nicht allzu selten am Arbeitsplatz. Im Gastgewerbe ist es fast der Regelfall, dass mit den Kollegen mehr Zeit verbracht wird als mit den eigenen Freunden oder dem Partner. Über den Nine-to-five-Job mit einer Stunde ausgiebiger Mittagspause können Hausdamen, Empfangsmitarbeiter, Servicekräfte und alle anderen Mitarbeiter eines Hotels nur lächelnd den Kopf schütteln. Kein Wunder also, dass es bei so viel „Aufeinanderhockerei“ mal zu Unstimmigkeiten kommt. Letztlich wissen aber alle: Der Gast ist König und dafür wird gemeinsam rund um die Uhr an einem Strang gezogen. Meistens jedenfalls, denn Meinungsverschiedenheiten und andere scheinbar kleine Konflikte nehmen immer mehr Platz im Joballtag ein. Eine kleine Zickerei, wer die riesigen Berge an Töpfen und Pfannen heute abwaschen darf – ok. Auch kleine Streiche unter Kollegen sind erlaubt, sofern der Kollege den Witz der Lage erkennt. Wenn es sich allerdings um dauerhafte Schikane handelt und sich der Betroffene nicht mehr wohl fühlt, hört der Spaß ganz schnell auf!

Schluss mit lustig: Wo fängt Mobbing an? 

Mobbing ist ein allgemeines Gruppenphänomen. Eine Studie aus dem Jahr 2007 des IFAK Instituts für Markt- und Sozialforschung macht sogar deutlich, dass jeder achte Beschäftigte bereits von Mobbing betroffen war, Tendenz deutlich steigend. Aber was steckt hinter dem Begriff „Mobbing“, der leider immer häufiger zum Spaßausdruck wird?

Wenn eine Person am Arbeitsplatz gezielt, häufig und über einen längeren Zeitraum diskriminiert, schikaniert oder angefeindet wird, ist von Mobbing die Rede. Dies kann zum einen unter Kollegen der Fall sein, aber auch durch Vorgesetzte ausgeübt werden. Dabei werden Konflikte mit unlauteren Mitteln ausgetragen, die nicht zuletzt zur Beendigung des Arbeitsverhältnisses führen (sollen).

Eigentlich möchte man meinen, dass erwachsene Menschen ihre Kontroversen auf vernünftige Art und Weise bewältigen können. Haben wir doch schon im Kindergarten gelernt was Teilen, Gerechtigkeit und Fairness bedeuten, als die Erzieherin verlangte, den Schokokeks in gleich große Stücke zu brechen und das Geburtstagslied nicht nur für Martina, sondern für alle Geburtstagskinder zu singen. Bedauerlicherweise falsch gedacht. Das Streuen von Gerüchten, Ignoranz, Ausgrenzung, sexuelle Belästigung, unrealistische Aufgabenstellungen, Tätlichkeiten, das Infrage stellen von Fähigkeiten,…kommen immer öfter am Arbeitsplatz vor. Diskriminierungen passieren auf unterschiedlichen Wegen und kennen keine Grenzen. Das kann den neuen Koch betreffen, über den böse Dinge gemunkelt werden oder den ausgebildeten Restaurantfachmann, der jeden Tag nur Gläser spülen muss während seine Kollegen das große Trinkgeld im Service einheimsen.

Dabei gibt es durchaus betriebliche Gegebenheiten, die Mobbing am Arbeitsplatz begünstigen. Betroffen sind vor allem Unternehmen mit schlechten Betriebsstrukturen, bei denen von Grund auf kein gutes Arbeitsklima herrscht. Stress bei den Mitarbeitern durch beispielsweise lange Arbeitszeiten und zu viel Arbeit in zu geringer Zeit, wie es in der Hotellerie und Gastronomie gern vorkommt, sind ideale Voraussetzungen für gereizte Stimmung. Wenn dann auch noch die Arbeitsorganisation zu wünschen übrig lässt und die Verantwortungsbereiche nicht klar abgesteckt sind, sodass die Hausdame nicht nachvollziehen kann warum ihre Kollegin und nicht sie selbst plötzlich den Aufgabenbereich der Reinigungsmittelbestellungen übernehmen darf, werden die Voraussetzungen für Mobbing nur noch gestärkt.

Wie reagiere ich als Betroffener, Zeuge oder als Arbeitgeber? 

Wären wir im Sportverein oder bei der wöchentlichen Mutter-Kind-Gymnastik würden wir uns den Stress gar nicht antun, das Handtuch werfen und uns eine neue Gruppe suchen, um den Menschen aus dem Weg zu gehen, die einem das Leben schwer machen wollen. So einfach ist es beim Arbeitsplatz jedoch nicht. Wie heißt es so schön: Angriff ist die beste Verteidigung und das bitte so früh wie möglich. Denn je festgefahrener der Konflikt, desto schwerer seine Auflösung.

Betroffene sollten zunächst versuchen, die Situation zu analysieren. Was ist eigentlich die Ursache für die Angriffe? Sind sie eventuell sogar nachvollziehbar und kann/will ich daran etwas ändern? Was viele vergessen: Häufig liegt es gar nicht an ihnen persönlich, dass sie zum Opfer geworden sind. Könnte ja vielleicht sein, dass sich der langjährige Front Office Mitarbeiter durch den neuen Kollegen bedroht fühlt, indem er frischen Wind ins Team bringt und nur so vor neuen Ideen strotzt? In solchen Fällen sind Missgunst oder Neid keine Seltenheit und irgendwie nachzuempfinden. Was aber keinesfalls bedeuten soll die Füße still zu halten! Sich als Benachteiligter in die Ecke treiben zu lassen, passiert schneller als einem lieb ist. Deswegen sollte das Gespräch unter den Beteiligten und möglicherweise einem neutralen Vermittler gesucht werden. Leicht zu sagen, wenn man nicht betroffen ist, aber an dieser Stelle muss Mut bewiesen und Stärke symbolisiert werden. Das schafft direkt Eindruck und schreckt vor weiteren Taten zurück. An der einen oder anderen Stelle hilft schon das Einbeziehen weiterer Kollegen, um Verbündete mit ins Boot zu ziehen, die einem unter die Arme greifen. Wenn die Wirkung dennoch ausbleibt, müssen schärfere Kaliber aufgefahren werden. Auch wenn es unangenehm und peinlich erscheinen mag, muss zu gegebenem Zeitpunkt der Arbeitgeber eingeschaltet werden, indem eine Beschwerde wegen ungerechter Behandlung eingereicht wird. Alternativ bietet sich auch der Personal- oder Betriebsrat an. Zusätzliche Hilfe bieten Selbsthilfegruppen sowie soziale und rechtsmäßige Beratungsstellen an, mit denen gemeinsam Verhaltensstrategien entwickelt werden. Eine Beschwerde beim Arbeitgeber jedenfalls wird von diesem ausführlich geprüft, da er seiner Fürsorgepflicht nachkommen muss. Im besten Fall wurde genau festgehalten wann, wo und wie derartige Handlungen stattgefunden haben und welche Zeugen dies bestätigen können. Liegen ausreichend Beweise vor, ist der Arbeitgeber in der Pflicht Verbesserung zu schaffen. Dazu gehören zum Beispiel Abmahnungen, Versetzungen oder gar Kündigungen. Im schlimmsten Fall ignoriert der Arbeitgeber seine Fürsorgepflicht gegenüber seinem Arbeitnehmer, sodass der Weg vors Gericht bestritten werden sollte. Dort kann er schadensersatzpflichtig gesprochen werden und muss in schweren Angelegenheiten Schmerzensgeldforderungen zahlen.

Schwierig wird es dann, wenn der Psychoterror vom Arbeitgeber selbst kommt. Wenn Versetzungen in eine andere Abteilung oder an einen anderen Standort nicht möglich sind oder keinen Erfolg versprechen, ist die Reißleine der Kündigung in der Regel die letzte Notlösung. Das ist keineswegs als Resignation zu verstehen. Das gerichtliche Vorgehen gegen die Tatbestände ist deshalb ja nicht ausgeschlossen. In erster Linie sollte man dabei an sein persönliches Wohl denken. Schlafstörungen, Angstzustände, ein schmälerndes Selbstbewusstsein und viele andere Nebeneffekte von Mobbing sind ernst zunehmende Tatsachen. Mit welcher Lösung geht es dem Betroffenen folglich am besten?

Wenn du selbst mitbekommst, dass regelmäßig und gezielt über einen deiner Kollegen hergezogen wird, er von wichtigen Meetings ausgeschlossen wird oder als qualifizierter Mitarbeiter nur niedere Aufgaben zugeteilt bekommt, ist Wegsehen keine Lösung. Auch hier gilt: Betroffene beziehungsweise Beteiligte ansprechen und den Konflikt aus der Welt schaffen. So lässt sich ein gutes Arbeitsklima beibehalten, von dem alle profitieren.

Bei Vorgesetzten und Arbeitgebern darf Mobbing nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Es sorgt für unnötige Kündigungen hervorragender Mitarbeiter, Fehlzeiten und eine geringere Arbeitsbereitschaft des gesamten Teams. Und wenn Gerüchte nach außen treten, ist das Image erstmal angekratzt. Um dies zu vermeiden, sind Mitarbeiter für das Thema zu sensibilisieren. Mobbing gibt es nicht nur in überbesetzen Büros, in denen die Mitarbeiter aus Langeweile nach Opfern Ausschau halten, sondern Mobbing findet direkt nebenan statt: Ob in der Küche, im Restaurant, unter den Pagen, an der Rezeption und auch in der Führungsetage. Nur wenn die grundsätzlichen Rahmenbedingungen des Unternehmens stimmen, kann das Risiko geschmälert werden. Eine gute Arbeitsorganisation, transparente Entscheidungen, klare Aufgabenverteilung und starke Kommunikations- und Konfliktfähigkeiten der Vorgesetzten sind der wichtigste Schritt, um Mobbing erst gar nicht entstehen zu lassen.

Im Endeffekt… 

…möchte jeder von uns seinen Arbeitsalltag so problemlos wie möglich gestalten. Natürlich dürfen wir uns mal ärgern, wenn der Arbeitskollege und nicht man selbst den Brückentag frei bekommen hat und heute wieder das stundenlange Kartoffelschälen oder die elendigen Akquise-Telefonate auf der Tagesordnung stehen. Es verlangt auch niemand zu allem und jedem „Ja“ und „Amen“ zu sagen. Wichtig ist, dass wir die vielen Stunden, die wir in der Woche schuften, so angenehm wie möglich bestreiten. Dazu gehört unter anderem eine Atmosphäre, die es erlaubt, morgens nicht mit Bauchschmerzen zur Arbeit zu gehen. Gezielte Diskriminierungen erschweren das Zusammenarbeiten und machen allen das Leben schwerer. Besonders den Opfern, aber auch dem Arbeitgeber und zuletzt dem Verursacher. Die Ellenbogentaktik hat auf Dauer keinen Erfolg. Sie sorgt bloß für schlechte Stimmung und unnötige Auseinandersetzungen. Ein Team ist letztlich nur so stark wie das schwächste Glied seiner Kette. So abgedroschen es also klingen mag: Gemeinsam ist man am stärksten!

Bilderquellen: © alphaspirit / Vladimir Gjorgiev / baranq / shutterstock.com 

Gastbeitrag von: Nicole Girod

Nicole Girod ist Studentin der Betriebswirtschaftslehre an der Universität Duisburg – Essen. Seit Mai 2013 unterstützt sie unser Team tatkräftig im Bereich Online-Marketing.


Beitrag von Lisa N.

Lisa N.
Nach einem Masterstudium an der Universität Hamburg, habe ich erfolgreich ein Volontariat in einer PR-Agentur absolviert. Bei der YOURCAREERGROUP bin ich seit November 2014 für das B2C Marketing und den Pressebereich zuständig. Weitere Informationen zu mir gibt es auf XING.