Darum prüfe, wer sich bindet – Probearbeiten im Bewerbungsverfahren

„Hallo Frau Hansen, wir möchten Ihnen mitteilen, dass Sie im Vorstellungsgespräch einen sehr kompetenten Eindruck gemacht haben und wir Sie daher gern am Freitag zum Probearbeiten einladen möchten!“

Freude, Schweißausbrüche, Aufregung, Hektik, Jubel, Angst – innerhalb kürzester Zeit kreisen 1000 Gedanken im Kopf herum. Was ziehe ich an? Wie verhalte ich mich? Welche Aufgaben werden mich erwarten und wie kann ich mich überzeugend darstellen? Fragen über Fragen, die nun auch Sonja Hansen Kopfzerbrechen bereiten.

Wozu dient eigentlich Probearbeiten und wie kann so ein Tag aussehen? Wir verraten euch die wichtigsten Facts!

Was bringt Probearbeiten?

Der Bewerbungsprozess in der Hotellerie, Gastronomie sowie Touristik, aber auch in vielen anderen Branchen ist ähnlich: Bewerbung schreiben, ein bis zwei Vorstellungsgespräche, Probearbeiten, Zu- oder Absage! In den meisten Fällen handelt es sich bei dem Probearbeiten allerdings eher um einen „Schnuppertag“ bzw. einige „Schnupperstunden“. Man wird durch den Betrieb geführt, lernt die ersten möglichen Kollegen kennen, schaut den Mitarbeitern über die Schulter und bekommt eventuell kleine Aufgaben gestellt. Es handelt sich um ein gegenseitiges Kennenlernen, von dem beide Seiten profitieren sollen.

Selbstverständlich wird man beobachten wie du dich verhältst und in wie fern du dich in so kurzer Zeit ins Team einfügen kannst. Doch vergiss nicht, dass nicht nur du auf die Probe gestellt wirst, sondern in gleicher Art und Weise auch der Arbeitgeber. Beide Parteien haben die Chance, sich von ihrer besten Seite zu zeigen und den anderen für sich zu gewinnen. Schließlich kann es doch sein, dass du derjenige bist, der nach dem Probearbeiten die angestrebte Stelle gar nicht mehr besetzen möchte. Man könnte den Prozess des „Beschnupperns“ auch mit einer angehenden Romanze vergleichen. Denn bevor man eine Beziehung mit seinem Schwarm eingeht, datet man sich schließlich für gewöhnlich und überprüft gewissermaßen die Rahmenbedingungen. Passen wir zusammen und verfolgen wir die gleichen Interessen? So können Fehlentscheidungen frühzeitig vermieden werden.

Für dich heißt das Probearbeiten ganz konkret:

  • Achte auf dein äußeres Erscheinungsbild
  • Mache einen höflichen und freundlichen Eindruck
  • Zeige dich interessiert und stelle Fragen
  • Gib dir Mühe bei der Bewerkstelligung der dir zugetragenen Aufgaben

Und achte gleichzeitig auf dein Umfeld:

  • Machen die Mitarbeiter einen zufriedenen/unzufriedenen Eindruck?
  • Wie ist die allgemeine Stimmung?
  • Wie ist der Umgangston zwischen Mitarbeitern und Führungspersonal?
  • Spitze unauffällig die Ohren bei Gesprächen unter den Mitarbeitern!
  • Würde dir das Arbeiten dort Spaß machen?

Natürlich kann sich jeder auf kurze Zeit verstellen. Das gilt sowohl für den Arbeitgeber als auch für den Arbeitnehmer. Aber wer die Augen offen hält und etwas Menschenkenntnis vorweisen kann, erkennt schnell, ob einem der Traumarbeitsplatz nur vorgegaukelt wird.

Rechtliche Bestimmung zum Probearbeiten:

Häufig findet das Probearbeiten an einem einzigen Tag oder in wenigen Stunden statt. Man lernt sein zukünftiges Arbeitsumfeld kennen und bekommt möglicherweise kleine Tätigkeiten zugeteilt. Nichts wildes, eben bloß ein kleiner Test wie du mit dem Computerprogramm, den Gästen oder den Kollegen klarkommst. Nach einigen Stunden verlässt du das Unternehmen und wartest gespannt auf das positive Feedback. Jedenfalls wenn es dir gefallen hat und du immer noch Interesse an der Stelle hast. Soweit so gut, denn Ausnahmen bestätigen die Regel. Das Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein hat beschlossen, wenn das Arbeiten zur Probe über das kurze Kennenlernen hinausgeht und womöglich verantwortungsvollere Aufgaben über mehrere Tage zu erledigen sind, ist diese Arbeitszeit entsprechend zu entlohnen. Scheue dich also nicht, dich in diesem Falle nach einer Vergütung zu erkundigen.

Wie sieht so ein Probearbeitstag aus?

Sonja beschreibt ihren Probearbeitstag an der Rezeption eines Hotels:

07.55 Uhr: Wie heißt es so schön: Fünf Minuten vor der Zeit, ist des Soldaten Pünktlichkeit. Den Satz hat mir schon meine Ausbilderin tagtäglich eingebläut. Ich halte mich daran und melde mich an meinem heutigen Probearbeitstag direkt an der Rezeption. Das schwarze Kostüm sitzt, die Bluse ist frisch gebügelt und die Schuhe sind geputzt.

08.00 Uhr: Mein Tag beginnt mit einer Führung durch das Haus. Ich habe mir zwar schon im Internet alle möglichen Bilder angesehen, aber vor Ort machen die Räumlichkeiten einen noch schöneren Eindruck. Herr Schmidt, der Front Office Manager, macht einen sehr netten Eindruck und zeigt mir neben den Zimmern, außerdem die Konferenzräume, das Restaurant und den hauseigenen Wellnessbereich. Ich versuche mir so viele Informationen wie möglich zu merken, auch wenn meine Aufregung immer noch groß ist.

09.00 Uhr: Nun führt mich Herr Schmidt zu meinem Arbeitsplatz – die Rezeption. Die Mitarbeiter wirken alle sehr freundlich und stellen sich mir vor. Zum Glück stehen ihre Namen auf kleinen Schildchen am Revers. Im Namen merken bin ich nicht besonders gut. Frau Knollberg, die Schichtführerin, nimmt sich meiner an und erklärt mir die Gegebenheiten wie beispielweise die grundsätzliche Arbeitsaufteilung, das Reservierungssystem und berichtet über die Zusammenarbeit mit den anderen Abteilungen. Die Arbeitsabläufe ähneln sehr denen meines Ausbildungsbetriebes, was mir zu Gute kommen würde.

10.00 Uhr: Jetzt kommt der erste Gästekontakt. Ich stelle mich mit einer weiteren Kollegin an die Rezeption, zeige mein freundlichstes Lächeln und begrüße meinen ersten Gast. Ich schaue mir an, wie der Check-Out abläuft und während die Rechnung ausgedruckt wird, nehme ich bereits den Zimmerschlüssel entgegen. Das scheint gut anzukommen, denn meine Kollegin nickt mir nett zu. Plötzlich kommt ein Geschäftsmann mit Aktenkoffer um die Ecke geschossen und erbittet dringend ein Taxi zum Flughafen. Die Kollegin, die noch mit den Zahlungsmodalitäten des ersten Gasts beschäftigt ist, zeigt unauffällig auf die Telefonnummer der örtlichen Taxizentrale. Okay, dann tätige ich jetzt meinen ersten Anruf. Fast passiert es mir, dass ich mich mit dem Namen meines alten Arbeitgebers am Telefon vorstelle. Nochmal gut gegangen…

10.30 Uhr: Im Moment befindet sich kein Gast am Empfang. Eingecheckt wird erst ab circa 12.00 Uhr, sodass meine Kollegin die Zeit nutzt, mit mir die heutige Anreiseliste durchzugehen. Fidelio kenne ich ja bereits, sodass ich die Reservierungen direkt im System überprüfen kann. Nebenbei frage ich sie nach Ihrem Werdegang und wie lange sie schon hier arbeitet. Ihren Erzählungen zufolge, scheint es ihr sehr gut zu gefallen. Immerhin ist sie schon drei Jahre im Team und die Beförderung zur Assistent Front Office Managerin steht kurz vor der Tür. Gute Entwicklungsmöglichkeiten scheint es also durchaus zu geben.

11.00 Uhr: Die anreisenden Gäste sind alle gebucht, sodass wir uns jetzt um den E-Mailverkehr kümmern. Typische Gästefragen über die Anreisezeiten, Ausflugstipps oder der Wunsch nach einem Strauß Rosen für die Freundin auf dem Zimmer werden freundlich beantwortet und entsprechende Vorbereitungen getätigt. Dabei wirkt die Zusammenarbeit, zum Beispiel mit dem Housekeeping, sehr harmonisch.

12.00 Uhr: Die ersten Gäste warten auf den Check-In. Ich möchte mich gerade wieder von meiner besten Seite zeigen als mich Frau Schmidt zur Seite nimmt. Sie entlässt mich für heute und gibt mir ein positives erstes Feedback. Ich freue mich total und bedanke mich für den interessanten Einblick. Ich hole meine Tasche aus dem Personalraum und verabschiede mich. Frau Schmidt möchte sich im  Laufe der kommenden Woche bei mir melden…

Und was passiert nach dem Probearbeiten?

In der Regel laden Unternehmen mehrere Bewerber zum Probearbeiten ein. Bis du also eine endgültige Entscheidung erhältst, können also noch einige Tage verstreichen. Wenn es länger als die angegebene Wartezeit dauert, darfst du gern den Telefonhörer in die Hand nehmen und nachfragen. Das bekundet dein Interesse an dem Job und dir bleibt das nervöse aufs „Handy-Starren“ erspart.

Während sich die Entscheidung bei Betrieb A in die Länge zieht, kann es bei Betrieb B gar nicht schnell genug gehen. Falls du direkt nach dem Probearbeiten eine Zusage bekommst, hast du deine Aufgabe anscheinend erfolgreich gemeistert. Doch Vorsicht vor übereilter Euphorie. Bedanke dich freundlich für den Tag und schlafe ein oder zwei Nächte über das Angebot. Die vielen Eindrücke wollen erst einmal verarbeitet werden. Dafür sollte ein Unternehmen Verständnis haben!

Wie sind eure Erfahrungen mit Probearbeitstagen? Habt ihr hierdurch euren Traumjob gefunden? Oder seid ihr froh, dass ihr frühzeitig erkennen konntet wie schrecklich die Stelle gewesen wäre? Wir freuen uns auf eure Erfahrungen!

Bildquelle: © HABRDA / shutterstock.com

Gastbeitrag von: Nicole Girod

Nicole Girod ist Studentin der Betriebswirtschaftslehre an der Universität Duisburg – Essen. Seit Mai 2013 unterstützt sie unser Team tatkräftig im Bereich Online-Marketing.

 


Beitrag von Lisa N.

Lisa N.
Nach einem Masterstudium an der Universität Hamburg, habe ich erfolgreich ein Volontariat in einer PR-Agentur absolviert. Bei der YOURCAREERGROUP bin ich seit November 2014 für das B2C Marketing und den Pressebereich zuständig. Weitere Informationen zu mir gibt es auf XING.