Saisonarbeit in der Hotellerie und Gastronomie – ein neuer „Trend“?

Man hört immer wieder als Antwort auf die Frage, ob denn der Lieblingsmitarbeiter den Job gewechselt hat: „Nee, der Herr Sowieso hat nur zwischenzeitlich unser Unternehmen verlassen. Er wird uns aber im Sommer wieder unterstützen!“ Ob in einem Restaurant oder in der Hotellerie  – mittlerweile hat man regelmäßig den Eindruck, als wechselte man das komplette Personal regelmäßig aus. Es scheint als entwickelte sich die Saisonarbeit zusehends zum echten „Arbeitsmodell“. Bestimmt hast du auch schon mal mitbekommen, dass besonders in den umsatzstarken Monaten des Jahres in deiner Lieblingseisdiele mehr Personal gebraucht wird als während der restlichen Zeit des Jahres. Doch was bedeutet es denn genau „Saisonarbeiter“ zu sein?

Der Ausdruck „Saisonarbeiter“ wird im umgangssprachlichen Gebrauch gerne mit einer -vorsichtig ausgedrückt- nicht so engagierten Person assoziiert, der oder die erst dann so richtig ans Arbeiten kommt, wenn „die Hütte brennt“. Das Image eines „Saisonarbeiters“ ist also auf den ersten Blick nicht unbedingt das Beste. In der Hotellerie und Gastronomie hat das Bild des Saisonarbeiters als “Faulpelz” allerdings nichts verloren, denn dort kommt dem Ausdruck eine ganz andere Bedeutung zu: „Als Saisonarbeiter bezeichnet man Personen, die nur für einen vorübergehenden Zeitraum, die Saison, eine Erwerbstätigkeit ausüben. Das bedeutet mit anderen Worten: sie arbeiten eine Zeit lang richtig viel und haben danach erst einmal wieder ein bisschen frei – klingt auf den ersten Blick also nach keinem schlechten Deal! Oder?

Welche Tätigkeiten gibt’s denn alle „nur“ saisonal?

Zum Beispiel den Erdbeerpflücker. Oder den berühmten Spargelstecher. Erntehelfer ist nicht so „dein Ding“? Kein Problem – auch die Außengastronomie und Hotellerie bieten jährlich zahlreiche Möglichkeiten an, um als Saisonarbeiter tätig zu werden. Natürlich seltener als in der Gastronomie, aber so manches Hotel an der Nord- oder Ostsee braucht zum Beispiel für die Sommermonate ein paar helfende Hände mehr! Hinzu kommen die klassischen regionalen Volksfeste, wie beispielsweise das Münchner Oktoberfest oder der Karneval in Nordrhein-Westfalen, die gezielt nach temporären Kräften suchen. Du siehst, die Saisonarbeit hält besonders in diesen beiden Branchen mehr Möglichkeiten bereit, als so manch andere Branche.

Und wie ist das mit der Versicherung?

Klingt in der Theorie ja alles ganz schön, doch was tun, wenn du zum Beispiel während der Arbeit krank geworden bist? Wer zahlt meine Arztrechnungen, wenn mein Job zu Ende ist, ich mir aber während meiner Tätigkeit eine Verletzung zugezogen habe? Und was ist eigentlich mit Rente? Grundsätzlich gilt, dass du als Saisonarbeiter versicherungs- und beitragsfrei bist, solange es sich um eine sogenannte kurzfristige Beschäftigung handelt und du nur für die Saisonarbeit eingestellt wurdest. Kurzfristig beschäftigt bist du dann, wenn dein Einsatz bei einer Arbeitswoche von mindestens fünf Tagen maximal zwei Monate dauert. Dein Job wird dann bei der Minijob-Zentrale gemeldet.

Wenn du während deines Einsatzes wirklich krank geworden bist, hast du bei unverschuldeter krankheitsbedingter Arbeitsunfähigkeit Anspruch auf Fortzahlung des Gehalts für maximal 42 Tage. Das heißt, wenn du nicht „dafür“ kannst, dass du während deines Arbeitszeitraums krank geworden bist, steht dir maximal 42 Tage lang noch Gehalt zu. Darauf bestehen kannst du allerdings erst, nachdem die ersten vier Wochen (28 Tage) deiner Beschäftigung rum sind. Was deine Rente betrifft, ist es so, dass du grundsätzlich erst dann einen Anspruch auf Beitragszahlungen hast, wenn du mindestens ein Jahr in Deutschland versichert gewesen bist.

Jetzt bist du zwar um einiges schlauer, allerdings beantwortet es dennoch nicht die ursprünglich aufgeworfene Frage, ob die Saisonarbeit tatsächlich einen neuen Trend darstellt oder nicht. „Neu“ ist dieses Arbeitsmodell sicherlich nicht, denn Saisonarbeiter, oftmals aus dem Ausland kommend, gibt es schon seit Jahrzehnten. Vielmehr scheint es, als sei sie dermaßen etabliert, sodass man gar nicht mehr groß darüber sprechen muss.


Beitrag von Barbara

Barbara
Barbara Solle studiert Anglistik und Politikwissenschaft an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Seit Oktober 2014 arbeitet sie bei der YOURCAREERGROUP und unterstützt unser Team im Bereich Online Marketing. Weitere Informationen zu ihr gibt es auf Xing und LinkedIn. XING.