Wie werde ich eigentlich Chef?

Hast du dir diese Fragen nicht auch schon mal gestellt: Werden manche Menschen eigentlich als Chef geboren? Oder hatten sie einfach nur „Glück“? Spätestens, wenn sich in der Chef-Etage mal wieder ein Personalwechsel ankündigt, wird sich unter den Mitarbeitern automatisch fröhlich verglichen. Dass das natürlich nicht unbedingt das Zusammengehörigkeitsgefühl stärkt, geschweige denn, die Motivation fördert, ist dabei erst mal nebensächlich.

Doch woran liegt es wirklich, dass es manchen Menschen glückt, anderen Aufgaben und Anweisungen geben zu dürfen und anderen nicht? Die erste Erklärungsmöglichkeit ist die Bildung und vor allem die Ausbildung. „Der hat ja auch studiert“, hört man in solchen Momenten gerne über den Flur hallen. „War ja klar, dass der Akademiker sich wieder für etwas besseres hält“, bekräftigt der Kollege. Es scheint also, als wäre allein ein abgeschlossenes Hochschulstudium das Einsteiger-Ticket in die Chef-Etage, völlig egal, wie alt man ist und ob man vorher eigene Berufserfahrung gesammelt hat. In dem Zusammenhang ebenfalls wichtig: Das oberste Chef-Vorurteil. Der Chef hält sich automatisch für etwas besseres, anders kann es nicht sein. Dass der- oder diejenige sich den Job vielleicht auch nicht ausgesucht hat, fragt sich niemand, weil es schlicht „nicht sein kann“.

Als zweites erklären sich die Mitarbeiter den Personalwechsel gerne auch mit dem beliebten Begriff „Vitamin B“. „Der hat selber doch auch von nichts eine Ahnung, kennt aber die Schwester vom Chef“. Aha! Man hat also gar keine Chance auf beruflichen Aufstieg, wenn man nicht schon vor Jahren die richtigen Leute getroffen hat. Und wo trifft man die? Und woher weiß man, dass das mal wichtige Kontakte sein könnten, die einem den Weg ebnen? Das kann dir niemand so richtig beantworten.

Unzählige Studien und Berichte versuchen immer wieder Licht ins Dunkel zu bringen, so richtig aufsschlussreich waren die meisten bisher allerdings nicht. Das könnte auch daran liegen, dass es möglicherweise nicht den einen „richtigen“ Weg dafür gibt. Schließlich gibt es ja doch auch Chefs, die sich selbst mit jahrelanger harter Arbeit in ihre gehobene Position hochgearbeitet haben, immer in allem die Besten waren und nach Jahren die verdienten Früchte ihrer Arbeit ernten können. Eine solche Laufbahn zählt tatsächlich aber nur für die Wenigsten, vielmehr ist das die Ausnahme.

Eine realistischere Alternative, selbst auf dem Chefsessel zu sitzen, bietet da schon eher die berühmte „Ich AG“. Sich selbstständig zu machen und niemandem mehr Rechenschaft und Ergebnisse abliefern zu müssen, war schon immer eine dankbare Möglichkeit, um sich neue Visitenkarten mit Chef-Aufdruck bestellen zu können.

Aber was, wenn ich das gar nicht will, mein eigenes Unternehmen gründen? Wenn ich mich eigentlich total wohl an meinem Arbeitsplatz fühle und einfach gerne ein bißchen mehr Geld für meine Arbeit hätte? In einem Interview mit dem KarriereSpiegel gibt Birgit Bergmann, Management-Coach und Expertin für die Positionierung von Führungskräften, eine Antwort auf diese Frage: Du musst vor allem auf eines achten: Was du sagst, wann du es sagst und wem.

Schließlich willst du dir ja kein Eigentor schießen – und eine Frage nach mehr Geld merkt man sich immer, denn dein Chef wird nie auf Anhieb „ja“ und „Amen“ dazu sagen, sondern deine Arbeit noch genauer unter die Lupe nehmen und nach einer Begründung für deine Gehaltserhöhung suchen. Das könnte zum Beispiel ein eigener Projektvorschlag sein, in dem du die Leitung hast, rät Frau Bergmann.

Und wann mache ich das am Schlausten? Vielleicht nicht unbedingt auf der Weihnachtsfeier. Schließlich geht es um viel für dich, da lohnt es sich, eher länger als kürzer damit zu warten.  Vielleicht steht demnächst ja sowieso das Jahresgespräch an? Oder dein aktuelles Projekt wird besprochen? So ganz angenehm ist einem das Thema meistens ja nicht, selbst, wenn man sich absolut im Recht fühlt. Daher gilt: Bleib geduldig.

Und: Beschränke dich nicht nur auf den „Big Boss“! Es ist immer ratsam, mit mehreren Kollegen und zum Beispiel Abteilungsleitern zu kommunizieren, um sich systematisch ein kleines Netzwerk aufzubauen. Natürlich sagst du nicht zu jedem im allerersten Satz, dass du findest, dass du jetzt mal an der Reihe wärst, zum Chef befördert zu werden. Wichtig ist erst mal nur, seine Fühler weiter auszustrecken und vor allem den eigenen Namen ins Gespräch zu bringen. Denn: Wer seinen Wunsch nur für sich behält, wird laut Statistik deutlich seltener befördert.

Du siehst also: Es gibt gute Chancen, dass du eines Tages der Chef wirst! Nur eben nicht über Nacht. Und auch nicht, indem du immer als Erste(r) Feierabend machst. Erfolg ist eben doch kein reiner Zufall, also bleib‘ dran!

Das komplette Interview mit Birgit Bergmann kannst du hier lesen: http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/karriereplanung-dieses-jahr-werde-ich-chef-a-943712.html


Beitrag von Barbara

Barbara
Barbara Solle studiert Anglistik und Politikwissenschaft an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Seit Oktober 2014 arbeitet sie bei der YOURCAREERGROUP und unterstützt unser Team im Bereich Online Marketing. Weitere Informationen zu ihr gibt es auf Xing und LinkedIn. XING.