Work-Life-Balance: Ist dieser Begriff Schwachsinn?!

Die berühmt berüchtigte Work-Life-Balance. Gibt es sie wirklich oder ist sie einfach ein weiterer Ausdruck unseres Bedrüfnisses, immer bewusster leben zu wollen? – Und zu müssen. Schließlich ist es nach unzähligen Diskussionen um Burn-Out-Patienten kaum mehr möglich, sich in irgendeiner Form aus diesem Thema auszuklinken. Und es ist ja auch wichtig. Von jeder Seite stürmt Druck auf dich ein, völlig egal, wie alt du bist. Da hört man doch schon von ausgebrannten Schülern! Das ist doch alles nicht mehr normal. Die Work-Life-Balance fängt also quasi ab der 5. Klasse an, oder was sollst du daraus schließen?

Immer mehr Online-Publikationen kommen jetzt mit einer nicht zu ignorierenden Gegenthese an: Diese sogenannte „Work-Life-Balance“ ist Schwachsinn und kann gar nicht funktionieren. Denn, und jetzt folgt zugegebenermaßen ein ziemliches Totschlagargument: Sie bedeutet für jeden etwas anderes. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend definierte sie einst als „intelligente Verzahnung von Arbeits- und Privatleben vor dem Hintergrund einer veränderten und sich dynamisch wandelnden Arbeits- und Lebenswelt.“ Aha! Dass du dich einfach möglichst wohl mit deinem Job und deinem Privatleben fühlen solltest und eine gute Balance für dich finden solltest, kann man hier auf Anhieb jetzt nicht unbedingt rauslesen. Oder?!

Oft kommt der Begriff Work-Life-Balance ja aber überhaupt erst in dem Zusammenhang auf, dass eben kein gesundes Mittelmaß zwischen deinem Job und deiner Freizeit herrscht. Und es ist ja auch kein Wunder – schließlich bekommt man einerseits ständig suggeriert, dass dir erst harte Arbeit einen guten Job ermöglicht und dass du dafür in der Regel vorher auch entsprechende Tribute leisten musst. Tribute in Gestalt von wenig Freizeit zum Beispiel. Oder niedrigem Gehalt. Oder, im schlimmsten Fall, beides. Deswegen gab und gibt es seit Jahren unzählige Workshops, Ratgeber und Online-Portale, die dich umfassend darüber aufklären (sollten), wie du also am besten beides unter einen Hut bekommst und dieses Mittelmaß findest. Andererseits darfst du dich selbst darüber aber bloß nicht selbst vergessen. Uff. Da drängt sich das Bild einer Waage auf, deren Zeiger sich nie ganz in der Mitte einpendeln kann.

Wie eingangs erwähnt, ist aber genau das der Haken: Es gibt keine genaue Mitte. Jeder muss sein individuelles Mittelmaß, seine Balance, finden. Eins der Gegenargumente der Work-Life-Balance ist die Tatsache, dass letztendlich alles eine Sache der Planung und der Priorität ist, getreu dem Motto: „Es ist nicht zu wenig Zeit, sondern zu wenig Zeit, die wir nicht nutzen“. Man kann das Leben nicht planen, sondern es werden immer wieder unvorhergesehene Ereignisse aufkreuzen, die deiner Planung einen gehörigen Strich durch die Rechnung machen werden. Damit musst du leider lernen umzugehen. Dem einen gelingt es früher, der andere braucht dafür mehr Zeit. Ändern können es beide nicht.

Ebenfalls bedeutungsvoll ist der Name an sich. Work. Life. Balance. Erklärt ganz klar dein Leben und deinen Arbeitsalltag zu Konkurrenten! Entweder lebst du und musst dafür berufliche Einbußen hinnehmen, oder umgekehrt. Beides gleichzeitig kann nicht funktionieren. Doch, kann es! Wer arbeitet, der lebt dabei. Das ist die Kernaussage der wissenschaftlich fundierten Theorien. Menschen, denen man eine Aufgabe gibt, sind auf lange Sicht zufriedener als diejenigen, die einen Freizeit-Überschuss zu füllen haben. Psychologisch betrachtet ist es für uns von extremer Wichtigkeit, dass wir das Gefühl haben, gebraucht zu werden. Natürlich musst du von deinem Job auch einigermaßen leben können, aber am Ende des Tages ist dein privates Wohlfühlen eben doch noch ein klitzekleines bißchen wichtiger als ein toller Kontostand. (Natürlich gibt es auch hier Ausnahmen, letzteres soll keine pauschale Aussage sein). Bestes Beispiel dafür: Rentner. Natürlich sind viele durchaus ausgeglichen, aber so mancher freut sich über eine Aufgabe, sei sie noch so klein, weil das Gefühl, gebraucht zu werden, ganz stark für Zufriedenheit sorgt.

Du siehst also: Es geht nicht um Balance, es geht um Rhythmus. Also verschwende nicht zu viel Energie darauf, dich ständig zu fragen, ob du denn wirklich alles richtig machst, oder ob du deine Prioritäten einmal mehr überdenken solltest. Intuitiv hast du für dich schon längst dein individuelles Mittelmaß gefunden, ob mit Work-Life-Balance, oder nicht. Also lebe es!

 


Beitrag von Barbara

Barbara
Barbara Solle studiert Anglistik und Politikwissenschaft an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Seit Oktober 2014 arbeitet sie bei der YOURCAREERGROUP und unterstützt unser Team im Bereich Online Marketing. Weitere Informationen zu ihr gibt es auf Xing und LinkedIn. XING.